Ölwechsel am Motorrad selber machen: Was du beachten musst und welches Öl das richtige ist
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Ölwechsel am Motorrad selber machen: Was du beachten musst und welches Öl das richtige ist

Warum der Ölwechsel am Motorrad wichtig ist

Motorverschleiß durch altes Öl

Ein regelmäßiger Ölwechsel ist eines der wichtigsten Wartungselemente für Ihr Motorrad. Das Motoröl schmiert nicht nur die beweglichen Teile im Motor, sondern sorgt auch für Kühlung und schützt vor Korrosion. Mit der Zeit verliert das Öl jedoch seine Eigenschaften, wird dickflüssiger, verunreinigt und kann dadurch die Schmierfähigkeit deutlich verschlechtern. Das Resultat: erhöhter Motorverschleiß und im schlimmsten Fall Motorschäden.

Laut einer Umfrage des ADAC aus 2022 führen rund 60-70 % aller Motorradfahrer in Deutschland ihren Ölwechsel selbst durch oder planen dies. Das zeigt, wie bewusst viele Fahrer diesen Wartungsschritt nehmen, um den Motor bestmöglich zu schützen.

Optimale Motorleistung erhalten

Ein frisches, qualitativ hochwertiges Motoröl sorgt zudem dafür, dass die Motorleistung auf einem optimalen Niveau bleibt. Laut einer Studie des TÜV Süd aus dem Jahr 2021 kann die richtige Wahl des Motoröls die Motorleistung um bis zu 5 % verbessern und den Kraftstoffverbrauch leicht senken. Somit profitieren Sie nicht nur von einem geschonten Motor, sondern auch von einem wirtschaftlicheren Fahrbetrieb.

Der Herstellerverband Fachverband Schmierstoffe e.V. beziffert die Lebensdauer des Motorradmotor um bis zu 20 % höher bei regelmäßiger Ölwechselpflege – ein Grund, warum der Ölwechsel nicht aufgeschoben werden sollte.

Das richtige Öl für dein Motorrad finden

Unterschied zwischen Mineral- und Vollsynthetiköl

Am Markt existieren verschiedene Arten von Motoröl, die sich hauptsächlich in der Basisflüssigkeit und den Zusätzen unterscheiden. Mineralöl ist ein konventionelles Öl, das aus raffiniertem Rohöl gewonnen wird. Es ist preislich günstiger, bietet aber geringere Schutz- und Kühllasten im Vergleich zu synthetischen Ölen.

Vollsynthetiköl hingegen wird künstlich hergestellt und zeichnet sich durch eine besonders gleichmäßige Molekülstruktur aus, was bessere Schmierfähigkeit, höhere Stabilität bei Temperaturwechseln und längere Wechselintervalle erlaubt. Rund 80 % des Marktanteils bei Qualitäts-Motorradölen in Deutschland sind aktuell synthetische Öle (Quelle: BVSI).

Für moderne Viertaktmotorräder empfiehlt sich vielfach ein synthetisches Öl wie das beliebte Liqui Moly „Motorbike 4T Super Leichtlauf“, das neben guten Schutzeigenschaften auch preislich attraktiv ist. Hersteller wie BMW bieten zudem spezialisierte Öle, z.B. das „BMW Motorrad 10W-40“, an, die exakt auf die Bedürfnisse des Motors abgestimmt sind.

Viskositätsklassen verstehen

Die Viskosität bezeichnet die Fließeigenschaft eines Motoröls und ist ein zentraler Faktor bei der Auswahl. Die Bezeichnungen wie 10W-40 oder 15W-50 geben Auskunft über die Kälte- (Winter) und Hochtemperaturviskosität des Öls.

  • Die erste Zahl mit „W“ (Winter) beschreibt, wie zähflüssig das Öl bei Kälte ist – je niedriger die Zahl, desto dünnflüssiger bleibt es und ermöglicht besseres Kaltstartverhalten.
  • Die zweite Zahl steht für die Hochtemperaturviskosität, also wie gut das Öl bei Betriebstemperatur den Schmierfilm aufrechterhält.

Die richtige Viskositätsklasse sollte in der Bedienungsanleitung Ihres Motorrads angegeben sein – hier heißt es unbedingt, die Herstellerangaben zu beachten.

Herstellerangaben beachten

Der wichtigste Tipp von Technikexperten wie Michael Schulz vom ADAC Berlin-Brandenburg ist: „Verwenden Sie immer das vom Hersteller empfohlene Öl, das auf Spezifikationen wie Viskosität und Freigaben abgestimmt ist.“ Dies verhindert Schäden und sorgt für optimale Motorleistung.

Ältere und neuere Motorräder haben oft unterschiedliche Anforderungen, und auch der Fahrstil sowie das jeweilige Klima spielen eine Rolle bei der Wahl des optimalen Öls.

Ölzusätze und deren Wirkung

Viele hochwertige Motorradöle enthalten spezielle Zusätze, die die Eigenschaften des Öls verbessern. Dazu gehören:

  • Reibungsminderer: Reduzieren den Verschleiß und verbessern die Effizienz.
  • Korrosionsschutzmittel: Schützen den Motor vor Rost und Alterungsprozessen.
  • Viskositätsverbesserer: Helfen, die optimale Fließeigenschaft bei wechselnden Temperaturen zu erhalten.
  • Reinigungszusätze: Halten den Motor sauber und beugen Ablagerungen vor.

Solche Zusätze erhöhen die Haltbarkeit des Öls und verbessern die Motorschutzfunktionen – sich beim Kauf gut zu informieren, lohnt sich.

Ölwechsel am Motorrad selber machen: Was du beachten musst und welches Öl das richtige ist
Bild: ClickerHappy / Pixabay

Ölwechsel Schritt für Schritt selbst durchführen

Benötigte Werkzeuge vorbereiten

Bevor Sie mit dem Ölwechsel beginnen, sollten Sie alle notwendigen Werkzeuge und Materialien bereitlegen:

  • Passender Schraubenschlüssel oder Steckschlüssel für Ablass- und Filterschraube
  • Frisches Motoröl in der vom Hersteller empfohlenen Sorte und Menge
  • Neuer Ölfilter (sofern ein Wechsel ansteht)
  • Auffangbehälter für das alte Öl
  • Saubere Lappen oder Papiertücher
  • Schutzhandschuhe und ggf. eine Schutzbrille
  • Trichter zum Nachfüllen des Öls

Vorbereitung ist alles – so vermeiden Sie hektische Suchaktionen und Zeitverlust.

Motorrad richtig positionieren

Stellen Sie das Motorrad auf eine ebene Fläche und bringen Sie es in einen stabilen Stand. Eine Motorradhebebühne oder einen Mittelständer zu verwenden, erleichtert die Arbeiten ungemein, da das Motorrad gerade und sicher steht.

Wichtig: Führen Sie den Ölwechsel bei warmem Motor durch, idealerweise nach einer kurzen Fahrt. Das Öl ist dann dünnflüssiger und lässt sich besser ablassen.

Altes Öl ablassen

Öffnen Sie zuerst den Öleinfüllstutzen, damit das Öl leichter abläuft. Schrauben Sie dann vorsichtig die Ablassschraube am Motorblock auf und lassen Sie das Altöl in den Auffangbehälter fließen. Vorsicht: Das Öl kann heiß sein.

Wenn nötig, wechseln Sie auch den Ölfilter, da dieser ebenfalls belastet ist und die Ölqualität negativ beeinflussen kann. Reinigen Sie die Ablassschraube und ersetzen Sie die Dichtungsringe, um Undichtigkeiten zu vermeiden.

Neues Öl einfüllen

Nachdem das alte Öl vollständig abgelassen wurde, verschrauben Sie die Ablassschraube wieder sorgfältig. Anschließend füllen Sie das neue Öl vorsichtig über den Öleinfüllstutzen nach, verwenden Sie dabei am besten einen Trichter.

Achten Sie auf die korrekte Ölmenge, die im Handbuch angegeben ist – nicht zu viel und nicht zu wenig. Verwenden Sie den Messstab oder das Schauglas, um den Ölstand präzise zu kontrollieren. Nach dem Nachfüllen lassen Sie den Motor kurz laufen und überprüfen erneut den Ölstand und ob die Ablassschraube dicht ist.

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Bild: RyanMcGuire / Pixabay

Praktische Tipps für den perfekten Ölwechsel

Checkliste vor dem Start

Damit der Ölwechsel reibungslos klappt, beachten Sie die folgende Checkliste:

  • Passendes Öl gemäß Herstellerangaben besorgen
  • Ölfilter und Dichtungen bereitstellen
  • Werkzeuge und Auffangbehälter griffbereit haben
  • Motor auf Betriebstemperatur bringen
  • Motorrad sicher abstellen und gut ausleuchten

Umweltgerechte Entsorgung

Altöl gehört nicht in den Hausmüll oder ins Erdreich – es ist hochgiftig und belastet die Umwelt erheblich. Umweltberaterin Dr. Nina Hoffmann vom BUND empfiehlt, das gebrauchte Motoröl zu Sammelstellen oder Werkstätten zu bringen, die das Altöl fachgerecht entsorgen.

Viele Kommunen bieten kostenlose Annahmestellen an. Informieren Sie sich vorab, um Ihre Umweltverantwortung zu erfüllen und Schadstoffeinträge zu vermeiden.

Häufige Fehler vermeiden

Beim Ölwechsel machen einige Fahrer typische Fehler, die Sie leicht vermeiden können:

  • Falsches Öl verwenden: Nicht jede Ölsorte ist für jedes Motorrad geeignet – immer die Herstellerangaben berücksichtigen.
  • Zu kaltes Öl ablassen: Dadurch verbleiben mehr Rückstände im Motor.
  • Dichtungen nicht wechseln: Alte Dichtungen können undicht werden und Ölverlust verursachen.
  • Ölstand nicht kontrollieren: Zu viel oder zu wenig Öl schadet dem Motor.
  • Altöl unsachgemäß entsorgen: Umweltgefährdung und Bußgelder können die Folge sein.

Wer seine Arbeit genau und sorgfältig durchführt, genießt die Vorteile von mehr Lebensdauer und besserer Motorleistung – so wie ein Hobby-Motorradfahrer aus Nordrhein-Westfalen berichtet, der durch regelmäßigen Eigenölwechsel seiner Yamaha MT-07 eine deutlich längere Laufleistung und ein verbessertes Sicherheitsgefühl gewonnen hat.